MS Gateway – Der Multiple Sklerose Info-Dienst

Die Symptome von MS

Häufige Symptome

Fatigue (Müdigkeit)

Sehstörungen

Muskelkraftminderung

Koordinationsstörungen

Sensibilitätsstörungen

Paroxysmale Symptome

Blasen- und Darmprobleme

Störungen der Sexualfunktion

Depressionen

Schmerzen

Kognitive Einschränkungen


Viele Patienten berichten beim ersten Arztbesuch von „Ameisenlaufen“ oder davon, dass sie plötzlich „wie auf Watte gehen“. Etwa ein Drittel aller Multiple-Sklerose-Betroffenen hat solche Kribbel- oder Taubheitsgefühle in Armen oder Beinen. Auch Sehstörungen gehören zu den Symptomen, über die Betroffene häufig in der Anfangsphase der Multiplen Sklerose (MS) klagen. Fast jeder fünfte Patient leidet bei Ausbruch der Krankheit unter Gang- und Gleichgewichtsstörungen. Zehn Prozent von ihnen berichten von Kraftlosigkeit, häufiger in den Beinen, manchmal auch in den Armen. Nebst physischen Einschränkungen können in der Anfangsphase auch kognitive Einschränkungen wie Schwierigkeiten bei der Konzentration, bei Denk- und Gedächtnisleistungen oder Sprachstörungen vorkommen. Oft werden diese von Personen in der Umwelt eher wahrgenommen also von den Betroffenen selbst. Damit die medikamentöse Therapie den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen kann, ist es wichtig, die Krankheit möglichst schon bei den ersten Symptomen zu erkennen. Je früher die Behandlung einsetzt, desto eher kann der Verlauf verzögert werden.


Symptome abhängig vom verletzten Hirnareal

Die MS-Symptome sind abhängig von den betroffenen Hirn- oder Rückenmarksarealen. Sie unterscheiden sich von einem Menschen zum nächsten sehr stark und sind sehr schwer vorherzusagen. Manche MS-Betroffene haben trotz gestörter Nervenleitungen über lange Perioden keinerlei Symptome, weil das Hirn den Ausfall bis zu einem gewissen Grad kompensieren kann. Die meisten Betroffenen zeigen daher nicht alle typischen MS-Symptome.


Bekannte Multiple Sklerose-Symptome

Fatigue

oder Müdigkeit ist eines der häufigsten und gleichzeitig eines der lästigsten Symptome der Multiplen Sklerose (MS). Etwa zwei Drittel der MS-Patienten sind davon betroffen. Mindestens zwei verschiedene Typen der Fatigue werden unterschieden: eine dauerhafte Müdigkeit, welche es den Patienten fast unmöglich macht, auch nur die einfachsten Aufgaben zu erfüllen und eine spontane Müdigkeit welche nach wenigen Minuten körperlicher Aktivität auftritt. Letzteres betrifft vor allem die Beine und verschwindet spontan nach einer kurzen Ruhepause, es kann aber auch zu Sehstörungen beim Lesen kommen, die sich nach kurzer Zeit wieder bessern.

Die Müdigkeit wird typischerweise verschlimmert bei warmem Wetter oder nach einem warmen Bad. Fieber oder andere Ursachen für eine Erhöhung der Köpertemperatur können die Müdigkeit ebenfalls verstärken. MS-Betroffene, die unter Fatigue leiden, erfahren einen massiven Einbruch in ihrer Lebensqualität. Obwohl die Müdigkeit in den meisten Fällen direkt auf die Multiple Sklerose (MS) zurückgeführt werden kann, gibt es möglicherweise auch andere Gründe für ihr Auftreten, z.B. Inaktivität. Nachlassende Kraft, Depressionen oder Schlafstörungen können ebenfalls hinter Fatigue-Anfällen stehen.

Die Fatigue kann mehrere Monate andauern.

Hier finden Sie hilfreiche Tipps, um Müdigkeitssymptome zu bekämpfen.


Sehstörungen.

Auffällige Augenbewegungen (Nystagmus) und Doppelbilder (Diplopie) können durch MS hervorgerufen werden. Die Entzündung des Sehnervs (Optikusneuritis) ist eines der typischsten Symptome und häufig ein erstes Anzeichen für eine Multiple Sklerose (MS). Sie führt zu verschwommenem Sehen (Nebelschleier vor dem Auge), Verlust des Farbensehens und/oder Schmerzen hinter dem Augapfel und wird durch Augenbewegungen verstärkt. Es kann sogar eine vorübergehende Blindheit auftreten. Die Symptome dauern in der Regel ein paar Tage und bilden sich dann (nicht immer vollständig) wieder zurück.

Der MS-Simulator veranschaulicht, wie solche typischen Sehstörungen sich manifestieren.

MS-Simulator


Muskelkraftminderung.

Es kommen alle Stufen vor, von der leichten Ungeschicklichkeit bis zu Lähmungserscheinungen. Den Lähmungen liegt meistens eine Verkrampfung (Spasmus) der Muskulatur zugrunde. Als Spastizität bezeichnet man eine erhöhte Muskelsteifigkeit. Sie kann mit Schmerzen verbunden sein, wenn die Muskeln sich verkrampfen.

Eine leichte Spastizität wird als Steifigkeit und Spannungsgefühl in den Beinen wahrgenommen. Der Gang kann hölzern und ungelenk werden. Bei manchen MS-Betroffenen können die Beine nach Anstrengung zittern. Im Verlauf der MS kann die Muskelkraft in Armen und Beinen abnehmen. Diese Symptome können sich nach und nach verschlechtern und dazu führen, dass man eine Gehhilfe benötigt.

Im MS-Simulator können Symptome nachempfunden werden.

MS-Simulator


Koordinationsstörungen.

Ist das Kleinhirn – das Bewegungszentrum im Gehirn – betroffen, kommt es zu Koordinationsstörungen der Muskelbewegungen. Das kann zu einem taumelnden, unsicheren Gang führen. Man benötigt unter Umständen eine Gehhilfe. Sind die Arme betroffen, kann es zu Zittern (Tremor) kommen, wenn man versucht, kleine Gegenstände mit den Händen zu greifen.

Im MS-Simulator können Symptome nachempfunden werden.

MS-Simulator


Sensibilitätsstörungen.

Sensible Störungen werden verursacht durch verletzte sensible Nervenleitungen im Rückenmark. Sie kommen typischerweise in einer oder mehreren Extremitäten vor und treten häufig zu Beginn der Krankheit auf: Parästhesien (Ameisenlaufen), schmerzhafte Empfindungen (Dysästhesien) entlang der Wirbelsäule, Taubheitsgefühl, Schmerz und Juckreiz.
Parästhesien und Dysästhesien können zu unangenehmen Empfindungen an verschiedenen Stellen des Körpers führen. Man kann auch ein eingeengtes Gefühl verspüren, als ob man einen zu engen Gürtel tragen würde. Und es kann zu Brennen, Juckreiz, Schwellungen und feuchten Hautstellen (z.B. an den Handinnenflächen) kommen.
Es kann auch ein Taubheitsgefühl auftreten: Man spürt leichte Berührungen oder Nadelstiche nicht mehr und kann warme und kalte Temperaturen (z.B. im Wasser) nicht mehr unterscheiden.


Paroxysmale Symptome.

Der Begriff „paroxysmal“ bedeutet ein plötzliches Auftreten eines Symptoms. Paroxysmale Symptome kommen häufig vor und können ebenso plötzlich und komplett wieder verschwinden. Bewegungs-, Gefühls- und Sehstörungen können paroxysmal auftreten.
In der Regel läuft immer das gleiche Symptomschema ab, das wenige Minuten oder sogar nur Sekunden andauert. Paroxysmale Symptome werden häufig ausgelöst durch Bewegungen oder sensorische Stimuli (z.B. Wärme). Manche paroxysmalen Symptome sind sehr charakteristisch für Multiple Sklerose (MS), beispielsweise anfallsweises Stottern (Dysarthrie). Es handelt sich dabei meistens um Frühzeichen der Erkrankung, die in diesem Stadium in der Regel gut therapierbar sind.


Blasen- und Darmprobleme.

Die Blasenfunktion ist häufig betroffen. Eine typische Störung ist der ungewollte Urinabgang (Inkontinenz). Das führt dazu, dass man ständig auf der Suche nach der nächsten Toilette ist, weil die Schliessmuskeln, welche die Blase kontrollieren, nicht mehr richtig funktionieren. Manche Multiple Sklerose-Patienten haben auch Probleme damit, ihre Blase komplett zu entleeren. Darmstörungen äussern sich meistens in Form von Verstopfung aufgrund von Bewegungsmangel in Spätstadien der Krankheit.


Störungen der Sexualfunktion.

Störungen wie Impotenz, herabgesetztes Verlangen und Schmerzen während des Geschlechtsaktes können durch Multiple Sklerose (MS) ausgelöst werden. Ein Verlust des Lustgefühls bei Frauen oder ein Erektionsverlust (erektile Dysfunktion) können ebenfalls durch Multiple Sklerose (MS) entstehen. Auch psychologische Probleme können zu Sexualstörungen führen. Bei Auftreten solcher Störungen sollten Sie unbedingt mit Ihrem Arzt sprechen. Es gibt heute wirkungsvolle Behandlungsmethoden.


Depression.

Depressionen bei MS können unterschiedliche Ursachen haben. Manchmal entstehen Depressionen als Reaktion auf die Krankheit selbst, in anderen Fällen sind sie eine direkte Folge der Entzündungsherde im ZNS. Ihr Arzt sollte über dieses Problem Bescheid wissen, denn eine Depression kann mit einer Anzahl therapeutischer Massnahmen angegangen werden.


Schmerzen.

Während vieler Jahre galt Multiple Sklerose (MS) als eine schmerzlose Krankheit. Heute weiss man, dass das nicht für alle Betroffenen zutrifft. Schmerzen können als direkte Folge der MS-Aktivität im Gehirn auftreten oder aufgrund eines anderen MS-Symptoms. Die Schmerzen können von mild bis stark alle Stufen durchlaufen.
Schmerzen können auch durch verkrampfte Muskulatur und Haltungsfehler auftreten. Zusätzlich zu Schmerzen an Muskeln, Gelenken, Bändern und Sehnen sind auch starke Missempfindungen (z.B. Brennen) oder stichartige, unregelmässig auftretende Schmerzen bekannt. Auch eine Trigeminusneuralgie (Gesichtsschmerz) kann durch Multiple Sklerose (MS) ausgelöst werden. Krämpfe in Armen und Beinen können ebenfalls schmerzhaft sein, v.a. nach längerer Immobilität.

Tritt bei Multiple Sklerose (MS) ein Schmerz neu auf, sollte auf alle Fälle eine ärztliche Abklärung erfolgen. Es kann sich dabei um einen MS-Schmerz handeln. Er kann aber auch andere Ursachen haben.


Kognitive Einschränkungen (Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit).

Rund 2/3 der MS-Betroffenen berichten über Probleme mit dem Gedächtnis, dem Reaktionsvermögen, dem Planen von Handlungsabläufen, der Aufmerksamkeit, der Konzentration. Das alles zählt zu den sogenannten kognitiven Leistungen der Menschen. Bei manchen MS-Betroffenen sind kognitive Beeinträchtigungen sogar erste Zeichen der Erkrankung. Sie können auch dann auftreten, wenn noch keine ernsthafte körperliche Behinderung vorhanden ist. Bereits geringe Einbussen in der kognitiven Leistungsfähigkeit können im Alltag sowohl im Familien- wie im Berufsleben sehr belastend sein und die Lebensqualität der MS-Betroffenen entscheidend mindern. Sie machen sich unter anderem damit bemerkbar, dass Betroffene sich keine neuen Namen merken können, öfter Termine vergessen oder Mühe haben, das richtige Wort zu finden oder einem Gespräch zu folgen. Das verunsichert nicht nur die Betroffenen, sondern auch ihr soziales Umfeld. Manche Betroffene ziehen sich zurück, meiden Gesprächsrunden oder Kontakte. Verantwortlich für mögliche Einschränkungen im kognitiven Bereich ist wohl das Entzündungsgeschehen bei MS. Ein enger Zusammenhang zwischen körperlichen Einschränkungen und kognitiver Leistungsfähigkeit konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Gemäss dem heutigen Stand der Forschung ist die Therapie der MS umso erfolgreicher, desto früher sie beginnt. Neben einer früh eingeleiteten Basistherapie können Betroffene den kognitiven Einschränkungen im Alltag mit bewusst gewählten Strategien begegnen.


Diese Aufzählung umfasst typische Symptome für MS. Prinzipiell können sämtliche Funktionsausfälle des Körpers und des Gehirns durch Multiple Sklerose (MS) bedingt sein. Manche der genannten Symptome trifft man sehr häufig an, andere eher selten. Auch wenn über längere Zeit keine Symptome auftreten, kann die Krankheit trotzdem aktiv sein.

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